Das Milgram-Experiment

Sep 3, 12 • alle, BücherNo CommentsRead More »

Zehn Jahre vor dem „Stanford-Prison-Experiment“, dass so erfolgreich als Vorlage für den Film „Das Experiment“ diente, untersuchte Stanley Milgram bereits die ‚Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität’. Im Buch „Das Milgram-Experiment“ fasst Milgram den Versuch und seine Interpretationen zusammen.

„The disappearance of a sense of responsibility is the most far-reaching consequence of submission to authority.“ Stanley Milgram, Obedience to Authority

Ansicht vom Taschenbuch "Das Milgram-Experiment"Bei Milgrams Experiment musste eine Versuchsperson einem anderen Menschen Stromstöße erteilen, wenn dieser eine falsche Antwort gab – mit jedem Fehler erhöhte sich dabei die Stromstärke. Die Person auf dem ‚elektrischen Stuhl’, war allerdings ein eingeweihter Schauspieler, der in Wahrheit keine Schocks bekam. Der Schauspieler fängt ab einer gewissen Stromstärke an zu jammern und bittet schließlich darum den Versuch abzubrechen. Noch eine dritte Person ist Teil des Versuchsaufbaus: Der Versuchsleiter. Er versichert der eigentlichen Versuchsperson, dass dem Geschockten nichts passieren könne und er mit der Prozedur fortfahren soll. Mit wachsender Stromstärke wird das Bitten des ‚Schülers’ intensiver bis er schließlich keine Antwort mehr gibt.

Unglaubliche zwei Drittel der Probanden führten den Test bis zur maximalen Schockstufe (450 Volt) fort. Das war selbst für die Wissenschaftler eine Überraschung. Usrprünglich war geplant, mit dem Experiment die Verbrechen des Nationalsozialismus sozialpsychologisch zu erklären. Nach den ersten Ergebnissen der Studie war eindeutig klar, dass die „Germans-are-different“-These, die davon ausging, dass die Deutschen einen besonders obrigkeitshörigen Charakter haben, hinfällig ist. Es ist kein deutsches Phänomen – es ist ein weltweites Phänomen.

„The key to the behavior of subjects lies not in pent-up anger or aggression, but in the nature of their relationship to authority. They have given themselves to the authority; they see themselves as instruments for the execution of his wishes; once so defined, they are unable to break free.“Stanley Milgram, Obedience to Authority

Stanley Milgram wurde 1933 in NY-City geboren. Nach der High-School studierte er zuerst Politikwissenschaft und entschied sich in seinem Abschlussjahr ein anderes Fach zu studieren: Sozialpsychologie. In Harvard, wo er sich für dieses Studienfach bewarb, wurde er zuerst abgelehnt, da er keine Vorkenntnisse mitbrachte. Nach sechs Psychologiekursen in drei verschiedenen wurde er dann doch aufgenommen und promoviert schließlich.

Zeit seines Lebens interessierte sich Milgram wenig für akademische Standards und reputationsträchtige Themen. Er interessierte sich vielmehr für die Themen ‚des kleinen Mannes’ und erfand kreative Methoden, um seine Thesen empirisch zu belegen.

In seinem Buch „Das Milgram-Experiment“ erläutert Milgram die dem Experiment vorangegangenen Überlegungen, den Versuchsaufbau und dessen Variationen. Zum Schluss resümiert er die Ergebnisse. Der Aufbau des Buches ist damit sehr wissenschaftlich und die Sprache die Milgram wählt ist neutral und sachlich dabei einfach und verständlich. Trotz der sachlichen Sprache schafft es Milgram sehr eindrucksvoll ein Bild der Räume und der Apparatur zu vermitteln. Und die nüchterne Wortwahl lässt die Verhaltensweisen der Probanden noch nackter und kälter erscheinen.

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