Meine neue Bekanntschaft: Höhenschwindel

Mrz 10, 13 • alle, Schon gewusst?No CommentsRead More »

Vor kurzem besuchte ich einen Indoor-Spielplatz. Einmal im Monat dürfen dort einen Abend lang die Erwachsenen springen, klettern, hüpfen und rutschen. Es mutet schon etwas skurril an, wenn Erwachsene sich bestrumpft und mit erhitzten Gesichtern durch ein Kletterlabyrinth jagen und dabei mit kleinen Plastikbällen bewerfen.

Wir wollten alles ausprobieren und stellten uns schließlich beim Geschicklichkeits-Hochseilgarten an. Ich bekam eine Kletterweste mit Sicherungsseil und ging gleich auf die höchste Ebene – sechseinhalb Meter. Oben angekommen balancierte ich auf einen Holzstamm, der rechts und links an Seilen zum festhalten aufgehängt war. Auf der gegenüberliegenden Seite angekommen blickte ich nach unten und keine zwei Sekunden später klammerte ich mich mit zitternden Beinen an einem Stahlbalken fest und dachte ich müsste mich jeden Moment übergeben. Mit Schrecken stellte ich außerdem fest, dass der rettende Ausgang auf der anderen Seite war. Das war neu für mich. Ich habe während meiner Zeit als Restauratorin oft auf Gerüsten gearbeitet die höher waren und sogar mit aufgebaut und habe dabei nie Höhenangst empfunden.

 

HöhenschwindelDoch das was ich empfunden habe war keine Höhenangst, sondern ganz normaler Höhenschwindel. Höhenangst ist eine Folge von Höhenschwindel. Er entsteht, wenn wir aus großer Höhe nach unten blicken. Damit wir Dinge in weiter Entfernung räumlich sehen können beginnt unser Kopf unwillkürlich und unmerklich hin und her zu schwanken. Über Lagereflexe (motorische Reflexe, die unseren Körper im Gleichgewicht halten) schwankt dadurch auch der Rest des Körpers. Der Körper versucht nun sich über das periphere Sehen zu stabilisieren. Doch das funktioniert beim Blick nach unten nicht. Das führt dazu, dass das Gleichgewichtsorgan verrückt spielt und das vegetative Nervensystem anspringt, das Übelkeit, Schweißausbruch und ähnlich unschöne Symptome produziert.

Dazu kommt, dass wir offenbar einen angeborenen Instinkt haben, der uns große Tiefen meiden lässt, auch ohne, dass wir schlechte Erfahrungen gemacht haben. Man nennt das „Klippenphänomen“. Es wird vermutet, dass Höhenschwindel mit steigendem Alter häufiger auftritt. Wahrscheinlich weil man sich je älter man wird immer seltener in große Höhen begibt, wir es also einfach nicht mehr gewöhnt sind. Schwindelfreiheit ist nämlich durch Gewöhnung trainierbar.

Sollte einen der Höhenschwindel überkommen, sollte man darauf achten, das im peripheren Sichtfeld ein fester, naher Punkt ist. Außerdem sollte man Tiefen- und Weitblicke meiden, sich festhalten, sich immer nur auf den nächsten Schritt konzentrieren und auf das Beobachten von bewegten Objekten verzichten.

 

Ich hab es übrigens mit guten Zuspruch und helfender Hand von meiner Begleitung wieder heil, aber durchgeschwitzt, auf die andere Seite geschafft und mich erstmal auf der niedrigeren Ebene an die Höhe gewöhnt.

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